Warum ist Lesen wichtig?

Ich höre das Vorgelesene – ich lese – ich schreibe – ich lese vor!

So verläuft in der Regel die Entwicklung. Das Vorlesen weckt die Neugier auf das Lesen, und das Schreiben ist letztlich nur die Weiterentwicklung der Kunst des Lesens.

Lesen ist die wohl wichtigste Kulturtechnik, die uns dahin gebracht hat, wo wir heute stehen. Mit dem Lesen verbinden wir nicht nur Wissensvermittlung, es führt auch zur Erziehung des Herzens. Das Lesen ist auch eine gute Einsamkeitstechnik, die uns nicht nur Einsamkeit ertragen lässt, sie bringt uns in schwierigen Lebenssituationen sogar neue, hilfreiche Erkenntnisse.

Man kann mithilfe des Lesens auch die Langeweile ertragen und füllen, die die Zeit zwischen Kindheit und Jugend prägt.
Wer aufhört zu lesen, der verzichtet auf die Erweiterung seines inneren Raumes, der durch gelesene Geschichten und Romane gefüllt wird mit fiktiven Personen und Schicksalen, und unsere Wahrnehmung der Realität reicher und bunter werden lässt.

Besonders durch das Vorlesen erzeugen wir noch einen weiteren inneren Raum zwischen zumindest zwei Menschen.

Lesen ist manchmal anstrengend, letztlich immer unterhaltsam und anregend. Es gehört eben nicht zu den einfach konsumierenden Hobbies, es ist letztlich produktiv, weil wir beim Lesen zwischen den Zeilen unsere eigene Geschichte schreiben. Gerade in den Zeiten der überwältigenden Bilderflut kann man das Lesen nur loben.

Köln, den 27. Juni 2020  – Dr. Rolf-Arno Wirtz